Wissenswertes zum Abkochgebot

Ein verfügtes Abkochgebot ist keine Maßnahme der Gefahrenabwehr, sondern eine Vorsorgemaßnahme.

Worin besteht der Unterschied?

Bei einer Gefahrenabwehrmaßnahme liegt ein konkretes, in der Regel sogar quantifizierbares Risiko zugrunde. Die Gefahr ist unmittelbar und greifbar.

Beispiel: Ein Kind war mit nachgewiesener Masernerkrankung in einem Kindergarten. Die Gefahr einer Ansteckung der Kinder der gleichen Gruppe ist zweifelsfrei gegeben. Maßnahmen der Gefahrenabwehr sind: Das Kind darf nicht mehr in den Kindergarten, solange es ansteckend ist. Die Eltern der Mitkinder werden aufgefordert den Impfschutz ihrer Kinder zu prüfen und gegebenenfalls eine Impfung ihrer Kinder binnen 72 Stunden nach Kontakt mit dem erkrankten Kind durchführen zu lassen.

Bei einer Vorsorgemaßnahme wird eine mögliche Gefahr erkannt, die aber in der Regel nicht quantifizierbar ist und weit vor einer greifbaren Eintrittswahrscheinlichkeit liegt.

Beispiel: Nachweis eines Escherichia coli (Ecoli) im Trinkwasser. Jeder Mensch hat Milliarden Ecoli im Darm, es gibt krankmachende und nicht krankmachende Ecolis. Man kann sie an den Griffleisten von Einkaufswagen und auf Geldscheinen finden. Die Zahl der mit ungewaschenen Händen zum Mund geführten Ecoli beträgt ein Vielfaches dessen, was mit dem gut überwachten Trinkwasser aufgenommen werden kann.

Der Gesetzgeber hat eine strenge Regelung vorgenommen. Damit ist Trinkwasser das bestüberwachte Lebensmittel überhaupt, an das hinsichtlich der Hygiene strengste Anforderungen gestellt werden.

Laut Trinkwasserverordnung darf in 100 ml Trinkwasser nicht ein einziger Ecoli-Keim sein, weil dieser Keim eine fäkale Verunreinigung anzeigt, die im Trinkwasser nicht sein darf.

Und allein weil bekannt ist, dass hierdurch eine gesundheitliche Schädigung der Bevölkerungsgesundheit möglich ist, wird sofort reagiert. Genau das ist die Umsetzung des Vorsorgegedankens: Eingreifen bevor eine Gefahr fassbar oder quantifizierbar wird.
Veröffentlicht am:   17. 05. 2016  


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